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Existiert Gott?
Unter diesem Titel erschien 1978 das Mammutwerk (über 800 Seiten) des Tübinger Theologen und Vatikankritikers Hans Küng, mit dem Untertitel „Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit“. Auf Gottes-Frage gibt er Antworten, aber keine Antwort auf die Hauptfrage nach der Existenz Gottes. Hans Küng könnte gleich zu Beginn den Leser entlasten, indem er gesagt hätte: Die Frage „existiert Gott?“ ist so falsch gestellt, daß es keine befriedigende Antwort darauf geben kann. Dieser Satz besteht nur aus zwei ungeklärten Begriffen. Der arabische Wissenschaftler Ibn Khaldoun (1332-1406) verlangte eine Definition der Begriffe vor jedem Dialog. In seinem Sinne gehen wir vor: Was bedeutet „Gott“? Ist Gott: Naturgesetze, eine hohe Gewalt, „unbewegter Beweger“ (Aristoteles), ein absolutes unerreichbares und unbegreifbares Wesen, eine Macht, welche die Welt erschuf (Urknall), und sich dann zurück zog, die immer währende Bewegung in der Materie? Ein Wesen, das unsere Gebete hört, Propheten schickt, ein jüngstes Gericht errichtet und die Bösen betraft? Ist er Gott des Mose, der keinen Namen annimmt („ich bin der, der ist.“), Gott des Christentums, der sich den Menschen in Gestalt des Sohnes offenbart, oder Gott der Muslime, der sich vehement weigert, einen „Sohn“ gehabt zu haben? Die Liste läßt sich fortsetzen, wenn wir auch Gott der Naturreligionen hinzuziehen; eine Reise nach Indien und Japan mit „persönlichen Familiengöttern“ unternehmen und uns dem altpersischen Propheten Zaratustra widmen, der das Weltgeschehen als Kampf zwischen dem guten Gott (Ahuramazda) und dem Bösen (Ahriman) sieht. Was ist Existenz? Die Philosophie ist seit über 2.000 Jahren mit dieser Frage befaßt. Was sind Existenz, Sein, Dasein, in-der-Welt-Sein, an und für sich Sein, der Seiende u.a. Der klassische Beweis der Existenz von Dingen war die sinnliche Wahrnehmung. Heute speichern wir Tausende Seiten von Texten, Filmen und Musiktiteln auf einer Festplatte, die sich gar nicht von einer leeren unterscheidet. Sind diese Informationen existent, oder bekommen sie erst „Existenz“ durch den Computer? Wenn alles ein Gegenteil hat (Licht-Dunkelheit; Gutes-Böses; Mann-Frau u.a.), dann fragt sich, was das Gegenteil vom Sein ist? Nichts? Was ist es? Ist Nichts gleich wie die Abwesenheit? Wenn es so ist, dann ist doch die Abwesenheit von Krieg, Krankheit und Unglück etwas Positives. Wenn eine Familie nach einem Urlaub nach Hause kommt, beobachtet sie ob sich etwas im Haus verändert hat. Ist nichts gesehenen, nichtsbewegt und keine Schublade geöffnet worden, dann empfindet man Freude und Erleichterung. Es ist die Freude an Nichts. Wenn wir uns mit einem Freund in einem Cafe verabreden, und sehen ihn zum Zeitpunkt des Treffens nicht, dann ist das einzige was für uns IST, ist das Nichtsein des Freundes. Das Sein von anderen Personen wird für uns aber uninteressant, zu Nichts. (frei nach Jean Paul Sartre). Das Nichts hat also auch einen Stellenwert; und warum soll überhaupt das Sein wichtiger sein als das Nichts? Ist das Sein, das was wir „erfahren“? Wenn es so ist, dann ist der Tod kein Lebensereignis, denn den Tod „er-lebt“ man nicht (nach Ludwig Wittgenstein). Existiert Gott wie die Sonne, die uns Wärme und Leben schenkt? Ist es die allumfassende transzentenale Existenz eines Seins? Ist seine Existenz gleich wie das Dasein von Informationen auf einer Festplatte? Ist die Welt ein Computer und Gott der Prozessor? Fragen über Fragen, aber keine allgemein akzeptable Antwort in Sicht.
Gott unserer Kindheit ist tot! Wenn wir die abrahamitischen Religionen nehmen, so findet man angefangen mit der „Schöpfungsgeschichte“ des Alten Testaments bis zum Koran (von Nuancen abgesehen) durchgehend ein gemeinsames Bild des Menschen von Gott und Universum: Die Schöpfung des Menschen und der Welt geschehen gleichzeitig; eine Evolution fand nicht statt. Die Erde ist wie ein Teller, worauf die Kuppel des Himmels aufgebaut ist. Sterne sind wie Leuchten in diese Kuppel gehämmert; die Sonne dreht sich um uns; der Mond ist für die Zählung der Monate geschaffen; und schließlich haben Naturereignisse (Sonne– und Mondfinsternis) ihre Ursachen in unseren Taten; und Naturkatastrophen sind Antworten Gottes auf unsere Sünden. Diese Vorstellung deckte sich Jahrtausende lang mit dem Stand der wissenschaftlichen Vorstellung vor der Natur. Kein Es wundert nicht, denn das religiöse Weltbild (Schöpfung) war ja gerade aus „wissenschaftlichen“ Vorstellung der damaligen Menschen von der Natur resultiert. Die Frage nach der Existenz Gottes stellte sich nur in engen Kreisen und nicht auf breiter Basis. Es ging nicht darum, ob es einen Gott gibt. Die Frage war, welcher Gott der richtige ist. Auch die monotheistischen Religionen wollten nicht Gott beweisen, sondern falsche Götter verneinen. Es herrscht seit fast 5.000 Jahren bei diesen Religionen der Satz: „Ich bin der einzige Gott, und Du sollst keine Götter neben mir anbeten.“ Die Schöpfungsgeschichte bringt die Übereinstimmung dieser beiden Sichtweisen von der Welt (Natur / Schöpfung) auf den Punkt. So gibt es im Judentum, Christentum und Islam keinen einzigen Hinweis auf Lebewesen vor der Entstehung des Menschen. Die Geschichte des heutigen Menschen (Homo sapiens) ist wohl ca. 200.000 Jahre alt. Die Dinosaurier bevölkerten vor 235 Millionen Jahren die Erde und wurden vor ca. 25 Millionen Jahren ausgerottet. Doch findet man über dieses dramatische Ereignis in den Heiligen Schriften kein einziges Wort. Gott tritt erstmals mit der Schöpfung des Menschen auf die universale Bühne, was er vorher getan hat, ist folgerichtig irrelevant. Nach dieser Logik gehören Dinosaurier zur Natur, aber nicht zur göttlichen Schöpfung. Daß der Mensch in dieser Weise von einem Gott geschaffen wurde, ist selbst im Vergleich zur Menschheitsgeschichte jüngeren Datums. Wenn wir die Geschichte der Menschheit (200.000 Jahre) und die Geschichte des Monotheismus (ca. 5.000 Jahre) bedenken und die Menschheit als einen 100jährigen Menschen betrachten, dann begann er im Alter von etwa 98 Jahren an einen einzigen Gott zu glauben. Gott hat in der langen Geschichte der Natur keine Tradition.
Trennung zwischen „Natur“ und „Schöpfung“ Die Übereinstimmung zwischen der Welt als Natur und als Schöpfung wurde vor etwa 400 Jahren radikal und auf breiter Basis zur Diskussion gestellt. Entgegen der herkömmlichen Auffassung war es nicht Darwin (1809-1882), der mit seiner Evolutionstheorie die Gültigkeit der Schöpfungsgeschichte als Grundstein des religiösen Denkens in Frage stellte. Vielmehr wurde erst der Himmel als Wohnstätte Gottes angegriffen. Kopernikus (1473-1541)und später Galilei (1564-1642) brachten das bis dahin herrschende Weltbild durcheinander, in dem sie zeigten, daß die Erde nicht das Zentrum des Universums ist, sondern sich gleichberechtigt mit anderen teilweise größeren Planeten um die Sonne dreht. Bis dahin gab es eine untrennbare Übereinstimmung zwischen dem Ptolemäischen und kirchlichen Weltbild. Nach wissenschaftlichen Forschungen von Ptolemäus steht die Erde fest im Mittelpunkt des Weltalls. Das Universum ist wie eine Zwiebel in Schichten (Himmeln) geschaffen. Alle anderen Himmelskörper (Mond, Sonne, Planeten, Sterne) bewegen sich um die Erde. Die Kirche sah bis dahin das Himmelsreich als ihr unbestreitbares Privateigentum. Bis dahin war die Erde die Hauptstadt des Universums und Vatikan das Zentrum der Erde! Zugleich feierte der Rationalismus seinen Siegeszug über unerklärbare dämonische Kräfte. Der Vater dieser Entwicklung ist zweifellos Rene Descartes (1596-1650. Descartes arbeitete mit dem „methodischen Zweifel“. Es ist nur eine Methode der Wahrheitsfindung. Er meinte, man kann an allem zweifeln, und dann ausgehend von einem zweifelsfreien Prinzip mit Instrumenten des logischen Denkens die Dinge erklären. „Ich zweifele; wenn ich zweifele dann denke ich; wenn ich denke, dann bin ich.“ (frei nach Descartes) Hier beginnt die große Spaltung zwischen religiösem und wissenschaftlichem Weltbild. Es war der größte Fehler der offiziellen Kirchen diese Trennung nicht zu akzeptieren. Kopernikus, Galilei und Descartes waren alle gottgläubige Christen. Sie verstanden ihre Wissenschaft nicht als eine antichristliche Ideologie. Galilei war sogar bemüht, nachzuweisen, daß seine Vorstellungen mit der Bibel übereinstimmten. Es war die politische Machtsucht der Kirche, die diese Emanzipation als pure Konfrontation deutete. Unter dieser Fehleinschätzung leidet die Menschheit bis heute. Der Inquisitionsprozeß gegen Galilei und die Bekämpfung der Wissenschaft vertiefte diese Konfrontation und trennte für immer die Wege. Glaube und Vernunft, die sich ergänzen sollten („Glaube kann Berge versetzen, ohne Vernunft setzt man sie aber an falsche Stelle.“), wurden zu Rivalen. Die Religion, unterlegen in ihren Weltbilddeutungen überließ der entfesselten Naturwissenschaft das Feld. Zusammen mit Aberglaube und religiöser Blindheit wurden auch positive Glaubenselemente (Spiritualität, Transzendenz, sinnspendende menschliche Hoffnungsträger) zur Bedeutungslosigkeit verdammt und in den Schatten der technologisch-industrielle Wachstumsideologie gestellt.
Aufklärung: Gott ist für Menschen und nicht umgekehrt. Nach Descartes und Galilei leiteten Immanuel Kant (Begründer der modernen Philosophie) und Isaac Newton (Vater der klassischen Physik) im 18. Jahrhundert eine zweite große Entwicklung ein: Newton entwickelte die Gesetze der Mechanik und Bewegung, die noch bis heute in der Makrophysik gültig sind. Seit Newton kann mit Gewißheit behauptet werde, daß die Welt sich nach berechenbaren Gesetzen bewegt, auch wenn diese noch lange nicht entdeckt sind und nicht völlig entdeckt werden können. Kant wandte diese Gesetzmäßigkeit auf „Vernunft“ an. Auch das vernünftige Denken folgt gewissen strengen von Religion unabhängigen Gesetzen: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ Aber während Descartes noch versucht hatte, die Existenz Gottes rational zu begründen (Gott als vollkommenstes Wesen), verwarf der kritisch denkende Kant in der „Kritik der reinen Vernunft“ alle Gottesbeweise. Der Mensch könne mit Gesetzen der reinen Vernunft (Theorie, „was ist“) nur das beweisen, was er auch wahrnehmen kann. Gott ist eine Angelegenheit der „praktischen Vernunft“ (Ethik, „was sein soll“): es ist vernünftig und besser an Gott als Regulator des ethischen Verhaltens zu glauben. Während Galilei die Erde als Weltzentrum beiseite schiebt, macht Kant den vernünftigen und aufgeklärten Menschen zum Zentrum der Welterfahrung. Während Descartes meint, die Existenz Gottes ist beweisbar, sagt Kant: Gott ist nicht beweisbar, aber er Glaube an seine Existenz kann Menschen dienen. Im 20. Jahrhundert rückte (insbesondere nach der menschenverachtenden Politik des Faschismus und Stalinismus) mehr und mehr der MENSCH in das Zentrum aller theologischen Überlegungen. Damit bewegen wir uns zurück zu den Quellen des religiösen Glaubens. Religion (Marx bezeichnete sie zurecht als „Seufzer der bedrängten Kreatur“) wurde mehr als Instrument gegen Angst, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit von Menschen verstanden, Große Ideologien (Kommunismus, Faschismus, westlicher Modernismus) konnten dem Einzelnen kein Gefühl von Geborgenheit geben. Die Suche nach dem „Heiligen“, „Absoluten“, „Vollkommenden“ ist den Menschen seit seiner Entstehung in die Wiege gelegt. Dieses Bedürfnis ist weder mit den Gesetzen des rationalen Denkens (Descartes), noch mit dem Hinweis auf gesellschaftlich-moralische Notwendigkeit (Kant) „beweisbar“. Es ist einfach da und ist serienmäßig in menschliche Seele eingebaut, ob wir es wollen, oder nicht! So wie Drüsen, die nützliche Sekrete in den Körper ausscheiden, produziert unsere Seele einen Drang nach oben, nach Transzendenz, höheren Werte, Vorstellungen, Phantasien und Träumen. Diese gehören zu ästhetischen Bedürfnissen der Menschen. Ohne sie gäbe es keine Dichtung, Märchen, Musik, Malerei und Kunst. Kommt je ein Wissenschaftler auf die Idee die Existenz von „Schönheit“, „Sanftmutigkeit“, „Gnade und Brüderlichkeit“ in der Natur zu beweisen? Die Gottesfrage als Teil der menschlichen Existenz bringt uns in seltsamer Weise in die Nähe der Physik. Diese Disziplin beschäftigt sich mit den Gesetzen der Bewegung. Wir können nach Descartes an allen Dingen zweifeln, aber nicht daran, daß auch der Zweifel eine Art Bewegung ist von Gewißheit zur Ungewißheit. Solange es Bewegung gibt, gibt es auch Existenz. Die Bewegung durchläuft die kleinsten Teilchen bis zu größten Planeten. Diese Erkenntnis kann zum Ausgangespunkt einer neuen Überlegung werden: Ich kann an einem „unbewegten Beweger“ zweifeln, kann aber nicht leugnen, daß in der gesamten Natur eine Bewegung herrscht. Bewegung ist der gemeinsame Nenner aller Naturerscheinungen. Die Gesetze der Natur sollen wir aber Naturwissenschaftlern überlassen. Sie haben selbst mehr Zweifel an der Richtigkeit ihrer Erkenntnisse, als die Laien denken. Fanatische atheistische Laien unterscheiden sich kaum von fanatischen Hizbollahis! Wir sollen uns an erster Stelle mit der eigenen Existenz beschäftigen und können problemlos ohne große wissenschaftliche Kenntnisse feststellen, daß diese universelle Bewegung auch in uns herrscht. Bewegung braucht eine Richtung von etwas zu etwas anderem. Wenn ich sage, „ich werde mich ändern“, so will ich eine Bewegung in Gang setzen von „Ich“ zu einem anderen „Ich“. ES gibt also zwei „Ichs“ in mir und eine Bewegung in Richtung auf Vollkommenheit, einen Drang nach etwas Höherem, nach Entwicklung, nach einer besseren Zeit und …. Für diese Bewegung benötige ich einen Antrieb, Interesse, Motivation. In einem Wort kann ich ohne „Drang“ diesen Weg nicht bestreiten. Interesse, Bewegung und Drang gehören zusammen. Die menschliche Sprache hat dafür das Wort „Liebe“ erfunden, die alle diese Momente erfaßt. Aber „Liebe zu Bewegung in Richtung Vollkommenheit“ beinhaltet gerade „Attribute“, die man Gott zugeschrieben hat, und Liebe wurde am häufigsten mit Gott gleichgesetzt: So schreibt Paulus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Korinther 13, 13)
ES gibt einen „gott“. Aristoteles sprach in Dimensionen des Universums vom „unbewegten Beweger“. Die Gesetze des Universums können wir aber leider mit unserem beschränkten Verstand nicht erfassen. Auf der Ebene der menschlichen Existenz spüren wir problemlos eine „liebevolle Bewegung und Anziehung“, die das menschliche Dasein zusammenhält und unser Verhalten reguliert. Die liebevolle Bewegung zweier Geschlechter zu einander, die Bewegung von Sperma auf das Ei, die Geburt, die Anziehungskraft der Mutter, das Interesse des Kindes an seine Umwelt, die Lust nach Entfaltung und Entwicklung, das Schlagen des Herzens, die Atmung, Nahrungsaufnahme und Ausscheidung, und schließlich die Bewegung zum Tode sind alle kleine Momente einer universellen Evolution (Bewegung). Diese Bewegung wird von Außen verursacht. Uns wird ständig gegeben. Dies ist aber so alltäglich, daß keiner mehr daran denkt. Wie oft am Tag denken wir an die Luft, ohne die wir nicht leben können? Man kann auch sagen, daß wir uns innerlich nicht zu einem zweiten ICH, sondern zu IHM bewegen. Es ist nur eine Frage der Semantik, wie das Ziel dieser liebevollen Bewegung sprachlich gedeutet wird. Die orientalischen Mystiker gingen oft diesen Weg. Für sie (z. B. Ibn-e Arabi) war Gott „die bewegende Liebe“, oder „liebende Bewegung“. Auch der Koran bezeichnet das Gott-Mensch-Verhältnis als „gegenseitige Liebe“ (5, 54).یُحبّهُم و یُحبّونهُ Wenn Gott in uns sein soll, dann findet tagtäglich eine Bewegung zu „IHM“ statt. Nach der islamischen Mystik macht der Mensch eine Bewegung zu Gott, und dann fängt die schwierige Anstrengung: Bewegung in Gott. Diese Erkenntnis gehört ins Reich der sinnlichen Wahrnehmung und ist eine existentielle Erfahrung, die nicht vermittelt und durch wissenschaftliche Bestätigung erforscht werden kann. Schließlich kann man auch durch Lektüre von Büchern nicht das Schwimmen lernen. Gott zu beweisen, oder ihn in anderen Sphären zu suchen hat in eine Sackgasse geführt. Es gibt keinen Zweifel, auch unter Atheisten, daß es eine höhere Gewalt gibt. Aber diese mit Gott gleichzusetzen, hilft dem „Gottesglauben“ nicht weiter. Man kann nicht eine solche „Macht“ anbeten und von ihr etwas verlangen. Die Natur ist taub! Der spirituelle Glaube geht eine Stufe höher und begnügt sich nicht mit der Existenz einer „höheren Macht“; „Weltmechanismus“ und sonstige naturwissenschaftliche Selbstverständlichkeiten. Fazit: „ES gibt einen gott“. Dieser kleingeschriebene „gott“ (liebevolle Bewegung zur Vollkommenheit) lebt in der menschlichen Existenz; er wurde vom endlichen Menschen (als Ersatz für das unerreichbare Unendliche) erfunden, und sie gehört zu urmenschlichen Bedürfnissen, die Welt als lebendige „Schöpfung“ und nicht als „mechanische Naturgesetze“ zu sehen. Was ist aber das „ES“, das „gott“ und Bewegung gibt? Das bleibt im Dunklen. Das endliche Wesen (Mensch) kann das Unendliche (ES) nicht begreifen. Wenn ES begriffen wird, dann ist es wieder eine menschliche Projektion. Um das absolute Sein (ES) zu verstehen, muß der Mensch zu Beobachter und das Sein zu einem Objekt der Wahrnehmung werden. Der Beobachter muß dafür vom Objekt getrennt agieren, d.h. außerhalb des SEINS stehen. Stehe ich außerhalb des Seins (ES), dann bin ich nicht mehr am Leben, denn Tote denken nicht! Hadi Resasade
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![Textfeld: Liebe Leserinnen und Leser,
diese Ausgabe von „Barge Sabz“ widmet sich fast ausschließlich dem Thema Gewalt und Religion.
Leider beschäftigt dieses Thema seit 5 Jahren uns alle fast täglich.
Wir wollen nicht Angst und Unsicherheit schüren, aber der Autor hat als ein Muslim den Eindruck, daß dieses Thema uns noch lange beschäftigen wird, wenn die wirklichen Wurzeln nicht ausgetrocknet werden. Die wirkliche Ursache der islamischmotivierten Gewalt ist nicht der Glaube an einen radikalen Islam, sondern ungelöste reale politisch-ökonomische Probleme. Der Glaube dient als Legitimation und Motivation, und wenn passende Verse im Koran nicht gegeben hätte, hätte man sie erfunden.
Das Neue Testament ruft an keiner Stelle zur Gewalt auf, dennoch geschahen im Namen des Christentums Kreuzzüge, Judenmord und 30 Jahre Krieg unter den Christen selbst.
Mit dem Beitrag „Gewalt und Religionen“ (Seite 7 und 8) will der Verfasser einen Schritt in Richtung Dialog und Verständigung unternehmen und Vorurteile abbauen, ohne Religionen gegeneinander ausspielen zu wollen.
Juden und Christen mögen unbeabsichtigte Fehlinterpretationen ihrer Religion durch einen unqualifizierten Muslim mit Nachsicht begegnen.
Bibel und Gewalt
Zu meiner Studienzeit galt es unter Intellektuellen nach der Maxime „Basis bestimmt den Überbau“ als „reaktionär“ und „kleinbürgerlich“, wenn man „Ideen“ und „Religionen“ als „Ursache“ für gesellschaftlich-ökonomische und politische Veränderungen ansah. Extreme Positionen sind beliebt und einfach: heute werden umgekehrt „Gottesbilder“ als eine der wichtigsten Ursachen des politischen Handelns angesehen. Die schief gelaufene Terrorismus-Debatte über „islamischen Terrorismus“ ist ein aktuelles Beispiel. Es wird kaum darüber debattiert, welche weltpolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre die islamisch motivierte Gewalt gefördert haben. Es ist eben bequemer den Islamismus als Sündenbock anzuprangern, statt mit der unangenehmen Wahrheit über die zum Himmel schreiende globale Ungerechtigkeit beschäftigt zu werden.
Daß Haß und Gewalt aus dem Wesen des Islam hervorgehe, beherrscht leider nicht nur die Stammtische, sondern auch von Kirchenführern geäußert. Kardinal Lehmann, der in einem SPIEGEL Interview an einer Stelle sagt: „Religionen sind nicht per se gewalttätig“, sagt einige Zeilen tiefer über das Verhältnis zwischen Islam und Gewalt: „ Für mich ist eine entscheidende Frage, die an die Wurzel des Islam geht: Wie weit ist dessen Gottesbild mit Kategorien der Gewalt verbunden? Mohammed ist ein Krieger und ein Sieger. Das christliche Kreuz ist im Islam ein Zeichen des Verlierers: Mit einem Gott, der leidet und gar stirbt, können die Muslime nichts anfangen." Mit solchen doppeldeutigen Sätzen läßt sich kein gleichberechtigter Dialog der Religionen führen.
Das gemeinsame Menschenbild
In Wirklichkeit haben alle drei abrahamitischen Offenbarungsreligionen (Judentum, Christentum und Islam) ihren Büchern nach ein gemeinsames Gottesbild, das aus der Schöpfungsgeschichte hervorgeht:
Gott schuf den Menschen als sein Abbild und gab ihm das Paradies als Heimat, die größte Verehrung unter allen Geschöpfen.
Der Mensch wurde aber abtrünnig und aus Paradies vertreiben. Dies ist die Geburtsstunde der Freiheit und Erkenntnis zwischen dem „Bösen“ und „Guten“
Was danach geschieht, ist die ständige Arbeit Gottes durch Strafe und Belohnung, sein Geschöpf ins Paradies zurückbringen, ohne ihm den freien Willen zu nehmen.
Strafe und Belohnung sind feste Bestandteile aller dieser drei Gesetzesreligionen. Wie aber die Strafe und Belohnung durchgeführt und gestaltet werden, war immer abhängig vom jeweiligen Stand der menschlichen Entwicklung, und dies wird auch in Zukunft so blieben.
Fest steht aber das Grundprinzip, daß Strafe und Gewalt in diesen drei Religionen keinen Selbstzweck bilden, sondern das Instrument eines gerechten Gottes sind, der wie ein besorgter Vater das verlorengegangene Kind zum richtigen Wege führen will. Am Ende finden die „Guten“ den Weg zurück ins Paradies und die Unbelehrbaren landen ins Höllenfeuer! Davon machen alle drei Religionen keinen Abstrich.
Wie aber die Bestrafung (durch Gott selbst, oder durch Menschen in seinem Auftrag) aussieht, ist in der Religionsgeschichte einem Wandel unterworfen, der eng mit der allgemeinen Menschheitsgeschichte zusammenhängt. Religiöse Strafen und damit göttlich legitimierte Gewaltanwendung gegen die „Bösen“ erfolgten durch Menschen und Institutionen, die sich als Statthalter Gottes verstanden.
Abrahamitische Religionen glauben an Offenbarung. Was ist aber der feste Bestandteil der Offenbarung, und was ist veränderbar? Diese ist eine der schwierigsten Fragen der Theologie. Ich sehe die Religion als eine private individuelle Sache und darf die Frage auch ohne Erlaubnis der Theologie beantworten: Der Kern der Offenbarung ist der GLAUBE an das HEILIGE in der Welt. In diesem „heilige“ stecken Transzendenz, Hoffung, Geborgenheit, und ein unbeschreibbarer Glaube daran, von einem höheren Wesen beschützt zu werden. Wichtig dabei ist, daß es sich hierbei um Glauben handelt und aus dem Herzen kommt. Wissenschaftliche Beweisführungen für die Existenz des „Heiligen“ schlugen alle fehl. Ich weiß nicht von wem dieser Satz stammt: „Gott ist die Personifizierung des Unvollstellaren.“ Wer sich einen Gott „vorstellt“, hat diesen Gott selbst nach seinem Abbild geschaffen. Dieser „Kern der Offenbarung“ (Glaube an das Heilige) wurde als Offenbarung herabgesandt und landete in die Hände von Menschen, Propheten, Theologen, Politiker, Krieger und Friedensstifter. Jeder von ihnen formte und gestaltete nach gegebenen Notwendigkeiten die Masse zu einer Figur und einem Gottesbild.
Die Heiligen Schriften geben dieses Bild am deutlichsten wieder:
Judentum und Gewalt
Mit Sicherheit enthält keine andere Religion so viele Gebote und Verbote und folglich auch Sanktionen und Strafen, wie das Judentum. Viele diese Strafen sind aus heutiger Sicht unangemessen und unverständlich. Noch auffälliger ist das Prinzip der Kollektivschuld im Alten Testament. Jahwe macht mit seiner Strafandrohung zwischen Schuldigen und Unschuldigen, Menschen und Tieren keine Ausnahme macht. Er hat sehr menschliche Züge (Zorn, Reche, Reue) und kann auch traurig sein. Jahwe kann niemals verzeihen, wenn Menschen einen anderen Gott anbeten. Wenn die Bürger einer Stadt dazu verführt werden sollten, erhält Moses die Anweisung: „Dann sollst du die Bürger dieser Stadt mit scharfem Schwert erschlagen, du sollst an der Stadt und all dem, was darin lebt, auch am Vieh, mit scharfem Schwert die Vernichtungsweihe vollstrecken… Für immer soll sie ein Schutthügel bleiben und nie wieder aufgebaut werden.“ (Dtn: 13, 16-17).
An anderer Stelle greift der Zorn des Herrn die ganze Menschheit:
„Der Herr sah, daß auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm... Der Herr sagte: Ich will den Menschen vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben." (Ex: 6, 5-7)
Die „Kollektivbestrafung“ von schuldigen und unbeteiligten Geschöpfen findet sich häufig an verschiedenen Stellen des Alten Testaments. Moses kämpfte hart gegen alle Medianiter mit seiner Armee: „Sie zogen gegen Midian zu Feld ... und brachten alle männlichen Personen um .“ (Num: 31,7). Als Moses erfährt, daß die Befehlshaber nicht alle getötet haben, geriet er in Zorn: „… Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? gerade sie ...haben die Israeliten dazu verführt, vom Herrn abzufallen… Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die einen Mann schon erkannt und mit einem Mann geschlafen haben.“ (Num: 31,15-17).
Nach dem damals geltenden Prinzip der Sippenhaft werden nachkommende Generationen für die Missetat der Väter verantwortlich gemacht: Jahwe „verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation.“ (Ex: 34, 7) Dieses „Gerechtigkeitsprinzip“ ist nach dem damaligen Verständnis möglich, obwohl Jahwe „ein barmherziger und gnädiger Gott“ ist (Ex, 34, 6).
Die Bücher von Moses kennen kaum ein Jüngstes Gericht. Strafen und Belohnungen finden sofort und in dieser Welt statt. Eine Frist wird nicht gewährt. Dies ist eine positive Entwicklung, die im Christentum und Islam ausgereift wird. In diesen Religionen werden die Strafe von vielen Sünden zu „Gottessache“ gemacht und bis zum Jüngsten Gericht vertragt.
Christentum: wie sich Gnade in Gewalt verwandelt
Jesus bietet in seiner Person und Lehre das direkte Gegenbild des zornigen alttestamentarischen Gottes. Es gibt kaum eine Seite im Neuen Testament, in dem nicht von Gnade, Vergebung und Liebe zu Mitmenschen gesprochen wird. Nicht nur seine Lehre, sondern auch seine Person bildet unter allen monotheistischen Religionsstifter eine einzigartige Ausnahme. Seine Geburt, seine Wundertaten, seine Kreuzigung und Wiederauferstehung bleiben für immer einmalig und außergewöhnlich.
Jesus versteht sich als Messias, Heiler, Mahner und Retter ohne Anspruch auf irdischen Erfolg. Er richtet sich gegen die Heuchelei der „Gesetzestreuen“, die heimlich Wein trinken und öffentlich das Wasser predigen.
Seine Sätze in seinem „Prozeß“ vor Pilatus besagten alles über seine Personen und sein Ziel: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“ (Joh: 18,36) Diese Sätze besagen alles über den Unterschied von Jesus zu Moses und Mohammad.
Auch Jesus verfolgt das gleiche Ziel aller drei arahamitischen Religionen, aber mit anderen Mitteln. Auch er ist von Gott beauftragt, die verlorenen Schafe auf den rechten Weg zu bringen. Er tut dies aber nicht durch Gewaltanwendung.
Dennoch kann sich auch das Christentum nicht vom generellen Prinzip der Strafe und Belohnung freisprechen. Die Haltung Jesu zu „Gesetzen“ ist zweideutig, und man hat den Eindruck, daß entsprechende Äußerungen zu unterschiedlichen Zeiten und Situationen gefallen sind. Einerseits heißt es „Aber eher werden Himmel und Erde vergehen, als das der kleinste Buchstabe im Gesetz wegfällt.“ (Lk: 16, 17). Andererseits sagt er: „Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für sie, die euch verfolgen…“ (Mt: 5, 43-44)
Es gibt einige Stellen im Neuen Testament, die vom Geist der Bergpredigt abweichen. Der Verfasser hat als einer, der die christliche Theologie und die Bibelexegese nicht kennt, hat einfacher starken Zweifel, ob diese wirklich von Jesus stammen. Muslime müssen an Jesus glauben, und deshalb ist es Tradition, daß in Zweifelsfällen man lieber von „Textänderungen“ ausgeht, zumal die Evangelien nur „Erinnerungen“ an Worte Jesu enthalten, die teilweise 70 Jahre nach seiner Kreuzigung geschrieben wurden.
Was z.B. Jesus als missionarische Verhaltensregel seinen Schülern auf den Weg gibt, widerspricht der Feindesliebe: „Wenn man euch aber in einem Haus oder einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen. Amen, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorrha wird es am Tage des Gerichts nicht so schlimm ergehen, wie dieser Stadt." (Mt: 10, 14-15)
Was mit diesen beiden altbiblischen Städten geschah ist bekannt. Wegen Sündenheftigkeit wurden alle Bewohner von der Erdoberfläche getilgt. (Genesis 18 und 19)
Was Jesus an einer anderen Stelle zu Pharisäern und falschen Schriftgelehrten sagt, paßt auch nicht zu seiner friedlichen Persönlichkeit: "Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?" (Mt: 23, 33)
Ein Mensch, der am Kreuz für seine Feinde betet, kann nicht ihnen „Feuer und Qual“ wünschen: "Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“ (Joh: 15, 6) . Zu seinen Jüngern sagt er “Geht hin in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und sich taufen läßt wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Mk, 16,16)
Kann man sich vorstellen, daß so ein friedfertiger Mensch seine Gegner als „Unkraut“ bezeichnet? Nach Mathäus-Evangelium werden nach dem Worten Jesu die Engel „sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen . Dann werden die gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!“ (Mt: 13, 42-43)
Die göttliche Bestrafung des „Bösen“ kommt noch deutlicher in der Offenbarung des Johannes zum Ausdruck: Jesus und seine Anhänger kommen nach dem Jüngsten Gericht ins Paradies, der Teufel und seine Anhänger werden ausgerottet: "Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner - ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein." (Offenbarung: 21, 8) Diese werden etwas später mit "Hunden" gleichgesetzt. (Offb: 22, 15)
Paulus zeigt schon in der Urgemeinde keine Toleranz gegenüber Ungläubigen: So sagt er in seinem Brief an Titus (Bischof der Insel Kreta) : „… es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler … Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen… Alle Kreter sind Lügner und faule Bäuche, gefährliche Tiere… Darum weise sie streng zurecht, damit ihr Glaube wieder gesund wird.“ (Tit: 1, 10-14). Paulus warnt seine Brüder vor falschen Lehrern: „Gebt acht auf diese Hunde, gebt acht auf die falschen Lehrer, gebt acht auf die Verschnittenen.“ Mit „Verschnittenen“ sind die Juden gemeint (Beschneidung). (Phil: 3, 2) Über diese Juden heißt es pauschal in seinem 1. Brief an Thessalonicher: „Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie mißfallen Gott und sind Feinde aller Menschen.“ (1 Thess: 2,15)
Es gab in der Geschichte des Christentums immer wieder Mächte, die aus der „Masse der Offenbarung“ nach jeweiligen Notwendigkeiten Gewaltfiguren bastelten. Obwohl Jesus nie zur Gewalt aufrief, blieb aber das Prinzip der göttlichen Bestrafung bestehen. Es genügte nur, wenn Päpste und Krieger sich ale Stellvertreter verstanden. In diesem Punkt unterscheiden sich Religionen kaum von einander. So konnten im Namen des Christentums Inquisitionsprozesse, Kreuzzüge und andere Unmenschlichkeiten geschehen. Schon der Kirchenvater Augustinus legitimierte die Gewalt zur Bekehrung von Ungläubigen. Die christlichen Kreuzfahrer wateten auf ihren Weg zum "Heiligen Land" durch ein Meer von Blut der von ihnen erschlagenen Juden und Muslime.
Über Jahrhunderte herrschte in Europa das Dogma, das Christentum sei die einzige Religion überhaupt, und es dauerte Jahrhunderte bis Vatikan auch Nichtkatholiken als Christen anerkannte.
Sogar der große Reformator Martin Luther schreibt im "Großem Katechismus: "was außer der Christenheit ist, es seien Heiden, Türken, Juden oder falsche Christen ... in ewigem Zorn und Verdammnis bleiben".
Die Anerkennung des Islam als eine Religion geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Dafür wurde aber die meiste Arbeit von Aufklärern geleistet (Lessing: Nathan der Waise). Die Kirche paßte sich dieser Entwicklung nur allmählich an.
Die aufgeklärten christlichen von heute Gelehrten gehen mit gewaltversherrlichen Stellen der Bibel sehr behutsam um und unterscheiden mit „historisch-kritischer Methode“ zwischen dem Kern der christlichen Verkündung (Bergpredigt) und zeitlich bedingten Bemerkungen. Dieser Umgang mit dem Koran steckt aber noch in Kinderschuhen.
Todesstrafe und Steinigung im Alten Testament
Heute gehört es zu Selbstverständlichkeiten durch „Koranzitate“ den Islam mit Mord, Gewalt, Steinigung und Grausamkeiten in Verbindung zu bringen. In der Tat werden die grausamen Strafen im Koran auf ein Mindestmaß reduziert (s. Islam und Gewalt). Wenn im folgenden Gewaltbeispiele aus der Bibel zitiert werden, so geschieht dies mit dem Ziel zu zeigen, was das Judentum und Christentum überwunden haben. Diese Strafen und Gewaltaufforderungen geben nur den Entwicklungsstand der Menschheit zur Entstehungszeit dieser Religionen wieder.
Fluch Gottes: "Führe den Flucher hinaus vor das Lager … und laß die ganze Gemeinde ihn steinigen." [Lev: 24,14]
Erschütterung des Glaubens: „Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat.“ [Dtn:13,11]
Tod den Sonnenanbetern: „... so sollst du den Mann oder die Frau, die eine solche Übeltat begangen haben, hinausführen zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen. [Dtn:17,5]
Geschlechtsverkehr mit Tieren: Wer einem Vieh beiwohnt, der soll des Todes sterben. [Ex: 22,18] .Wenn eine Frau sich irgendeinem Tier naht, um mit ihm Umgang zu haben, so sollst du sie töten und das Tier [Lev:20,16] auch 20,15]
Ehebruch: Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat [Lev: :20, 10]
Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden Frau: „so sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden.“ (Lev: 20, 18]
Verbrennung der Tochter eines Priesters wegen Hurerei: „Wenn sich die Tochter eines Priesters als Dirne entweiht … sie soll im Feuer verbrant werden.“ [Lev:21,9]
Bestrafung einer Frau, die sich in der Hochzeitsnacht nicht als Jungfrau erweist: „... so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat… Dtn: 22, 21“
Wenn eine Jungfrau in der Stadt vergewaltigt wird, aber nicht schreit, soll gesteinigt werden. „... so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, daß sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrieen hat, obwohl sie doch in der Stadt war, [Dtn: 22,24]
Fluch oder Schlagen der Eltern wird mit Tode bestraft: Lev: 20,9] / Ex: 21,17 / Lev: 20,9 / Ex: 21,15
Zauberei: Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. [Ex: 22,17]](image368.png)

