Auch Jesus verfolgt das gleiche Ziel aller drei arahamitischen Religionen, aber mit anderen Mitteln. Auch er ist von Gott beauftragt, die verlorenen Schafe auf den rechten Weg zu bringen. Er tut dies aber nicht durch Gewaltanwendung.

Dennoch kann sich auch das Christentum nicht vom generellen Prinzip der Strafe und Belohnung freisprechen. Die Haltung Jesu zu „Gesetzen“ ist zweideutig, und man hat den Eindruck, daß entsprechende Äußerungen zu unterschiedlichen Zeiten und Situationen gefallen sind. Einerseits heißt es „Aber eher werden Himmel und Erde vergehen, als das der kleinste Buchstabe im Gesetz wegfällt.“  (Lk: 16, 17). Andererseits sagt er: „Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für sie, die euch verfolgen…“ (Mt: 5, 43-44)

Es gibt einige Stellen im Neuen Testament, die vom Geist der Bergpredigt abweichen. Der Verfasser hat als einer, der die christliche Theologie und die Bibelexegese nicht kennt, hat einfacher starken Zweifel, ob diese wirklich von Jesus stammen. Muslime müssen an Jesus glauben, und deshalb ist es Tradition, daß in Zweifelsfällen man lieber von „Textänderungen“ ausgeht, zumal die Evangelien nur „Erinnerungen“ an Worte Jesu enthalten, die teilweise 70 Jahre nach seiner Kreuzigung geschrieben wurden.

Was z.B. Jesus als missionarische Verhaltensregel seinen Schülern auf den Weg gibt, widerspricht der Feindesliebe: „Wenn man euch aber in einem Haus oder einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen. Amen, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorrha wird es am Tage des Gerichts nicht so schlimm ergehen, wie dieser Stadt." (Mt: 10, 14-15)

Was mit diesen beiden altbiblischen Städten geschah ist bekannt. Wegen Sündenheftigkeit wurden alle Bewohner von der Erdoberfläche getilgt. (Genesis 18 und 19)

Was Jesus an einer anderen Stelle zu Pharisäern und falschen Schriftgelehrten sagt, paßt auch nicht zu seiner friedlichen Persönlichkeit:  "Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?" (Mt: 23, 33)

Ein Mensch, der am Kreuz für seine Feinde betet, kann nicht ihnen  „Feuer und Qual“ wünschen: "Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“ (Joh: 15, 6) .  Zu seinen Jüngern sagt er “Geht hin in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und sich taufen läßt wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Mk, 16,16)

Kann man sich vorstellen, daß so ein friedfertiger Mensch seine Gegner als „Unkraut“ bezeichnet? Nach Mathäus-Evangelium werden  nach dem Worten Jesu die Engel  „sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen . Dann werden die gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!“ (Mt: 13, 42-43)

Die göttliche Bestrafung des „Bösen“ kommt noch deutlicher in der Offenbarung des Johannes zum Ausdruck: Jesus und seine Anhänger kommen nach dem Jüngsten Gericht ins Paradies, der Teufel und seine Anhänger werden ausgerottet: "Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner - ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein." (Offenbarung: 21, 8) Diese werden etwas später mit "Hunden" gleichgesetzt. (Offb: 22, 15)

Paulus zeigt schon in der Urgemeinde keine Toleranz gegenüber Ungläubigen: So sagt er in seinem Brief an Titus (Bischof der Insel Kreta) : „… es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler … Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen… Alle Kreter sind Lügner und faule Bäuche, gefährliche Tiere… Darum weise sie streng zurecht, damit ihr Glaube wieder gesund wird.“ (Tit: 1, 10-14). Paulus warnt seine Brüder vor falschen Lehrern: „Gebt acht auf diese Hunde, gebt acht auf die falschen Lehrer, gebt acht auf die Verschnittenen.“ Mit „Verschnittenen“ sind die Juden gemeint (Beschneidung).  (Phil: 3,  2) Über diese Juden heißt es pauschal in seinem 1. Brief an Thessalonicher: „Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie mißfallen Gott und sind Feinde aller Menschen.“ (1 Thess: 2,15)

Es gab in der Geschichte des Christentums immer wieder Mächte, die aus der „Masse der Offenbarung“ nach jeweiligen Notwendigkeiten Gewaltfiguren bastelten. Obwohl Jesus nie zur Gewalt aufrief, blieb aber das Prinzip der göttlichen Bestrafung bestehen. Es genügte nur, wenn Päpste und Krieger sich ale Stellvertreter verstanden. In diesem Punkt unterscheiden sich Religionen kaum von einander. So konnten im Namen des Christentums Inquisitionsprozesse, Kreuzzüge und andere Unmenschlichkeiten geschehen. Schon der Kirchenvater Augustinus legitimierte die Gewalt zur Bekehrung von Ungläubigen. Die christlichen Kreuzfahrer wateten auf ihren Weg zum "Heiligen Land" durch ein Meer von Blut der von ihnen erschlagenen Juden und Muslime.

Über Jahrhunderte herrschte in Europa das Dogma, das Christentum sei die einzige Religion überhaupt, und es dauerte Jahrhunderte bis Vatikan auch Nichtkatholiken als Christen anerkannte.

Sogar der große Reformator Martin Luther schreibt im "Großem Katechismus: "was außer der Christenheit ist, es seien Heiden, Türken, Juden oder falsche Christen ... in ewigem Zorn und Verdammnis bleiben".

Die Anerkennung des Islam als eine Religion geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Dafür wurde aber die meiste Arbeit von Aufklärern  geleistet (Lessing: Nathan der Waise). Die Kirche paßte sich dieser Entwicklung nur allmählich an.

Die aufgeklärten christlichen von heute Gelehrten gehen mit gewaltversherrlichen Stellen der Bibel sehr behutsam um und unterscheiden mit „historisch-kritischer Methode“ zwischen dem Kern der christlichen Verkündung (Bergpredigt) und zeitlich bedingten Bemerkungen. Dieser Umgang mit dem Koran steckt aber noch in Kinderschuhen.

 

 

Todesstrafe und Steinigung im Alten Testament

Heute gehört es zu Selbstverständlichkeiten durch „Koranzitate“ den Islam mit Mord, Gewalt, Steinigung und Grausamkeiten in Verbindung zu bringen. In der Tat werden die grausamen Strafen im Koran auf ein Mindestmaß reduziert (s. Islam und Gewalt). Wenn im folgenden Gewaltbeispiele aus der Bibel zitiert werden, so geschieht dies mit dem Ziel zu zeigen, was das Judentum und Christentum überwunden haben. Diese Strafen und Gewaltaufforderungen geben nur den Entwicklungsstand der Menschheit zur Entstehungszeit dieser Religionen wieder.

 

Fluch Gottes: "Führe den Flucher hinaus vor das Lager … und laß die ganze Gemeinde ihn steinigen." [Lev: 24,14]

Erschütterung des Glaubens: „Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat.“ [Dtn:13,11]

Tod den Sonnenanbetern: „... so sollst du den Mann oder die Frau, die eine solche Übeltat begangen haben, hinausführen zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen. [Dtn:17,5]

Geschlechtsverkehr mit Tieren: Wer einem Vieh beiwohnt, der soll des Todes sterben. [Ex: 22,18] .Wenn eine Frau sich irgendeinem Tier naht, um mit ihm Umgang zu haben, so sollst du sie töten und das Tier [Lev:20,16] auch 20,15]

Ehebruch: Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat [Lev: :20, 10]

Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden Frau: „so sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden.“ (Lev: 20, 18]

Verbrennung der Tochter eines Priesters wegen Hurerei: „Wenn sich die Tochter eines Priesters als Dirne entweiht … sie soll im Feuer verbrant werden.“ [Lev:21,9]

Bestrafung einer Frau, die sich in der Hochzeitsnacht nicht als Jungfrau erweist: „... so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat… Dtn: 22, 21“

Wenn eine Jungfrau in der Stadt vergewaltigt wird, aber nicht schreit, soll gesteinigt werden.  „... so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, daß sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrieen hat, obwohl sie doch in der Stadt war, [Dtn: 22,24]

Fluch oder Schlagen der Eltern wird mit Tode bestraft: Lev: 20,9] / Ex: 21,17 / Lev: 20,9 / Ex: 21,15

Zauberei: Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. [Ex: 22,17]

 

Koran und Gewalt

نشریه فرهنگی، ادبی و اجتماعی

Home

صفحه نخست

Archiv

آرشیو برگ سبز

Religion

und Dialog

گفتگو بین ادیان

Spiritualität

und Mystik

عرفان

Kunst und Literatur

هنر و ادبیات

Geschichte

تاریخ

Recht

حقوق

Interviews

مصاحبه ها

 

 

über

Barge Sabz

درباره برگ سبز

Briefe an uns

نامه ها

Gesellschaft für interkulturelle Konflikt-forschung

انجمن بررسی 

برخوردهای فرهنگی

über Hadi Resasade

درباره ناشر

برگ سبز

Kontakt

تماس با ما